Die Geschichte der Zigarre

Niemand weiß genau, wann zum ersten Mal Tabak angebaut wurde, aber es gibt kaum
Zweifel darüber wo dies geschah. In Belize (früher British Honduras), befindet sich an
der Wand eines alten Maya-Tempels das Relief eines rauchenden Mannes.
Unbestreitbar waren die Ureinwohner des amerikanischen Kontinents die ersten, die
diese wohl ursprünglich von der Halbinsel Yucatan in Mexico stammenden Pflanze
nicht nur kultivierten, sondern auch rauchten. Durch die Zerstörung der mächtigen und
bedeutenden Maya-Kultur, wurde der Tabak durch die bis nach Nord- und Südamerika
vertriebenen Stammesteile verbreitet. In Nordamerika, fand der Tabak bei den
Mississippi-Indianern bei der Celebration ihrer Stammesriten sicher starken Anklang.

Der übrigen Welt war der Tabak bis zum Jahre 1492,
dem Jahr der Entdeckung Amerikas (oder Indiens??)
durch Christoph Kolumbus unbekannt. Zwar fand
Kolumbus am Rauchen nichts Beeindruckendes, doch
die ihm folgenden Seeleute aus Europa verfielen sehr
schnell dieser betörenden Pflanze. Mit den
zurückkehrenden „Eroberern" galt bald das Rauchen
speziell in Spanien und Portugal als Zeichen von
Wohlstand. Kurz darauf verbreitete sich dieses
verführerische Kraut bis nach Frankreich, Italien und
England.


Erst im 18. Jahrhundert bauten die Spanier in der westlichen Hemisphäre Tabak an,
stellten die Zigarren in Spanien her und vertrieben sie über holländische Händler weit
bis nach Rußland. Ebenfalls im 18. Jahrhundert drang die cubanische Zigarre über die
Landesgrenzen hinweg zu fremden Kulturen hinaus. Als aber 1763 die Engländer Cuba
für nur ein Jahr besetzten, war es mit dem Zauber der cubanischen Zigarre vorbei. Erst
als Napoleon im Jahre 1803 sich gewaltsam in Spanien ein wenig umsah, entdeckte er
die cubanischen Zigarren und produzierte von nun an zu Haus †???>e Zigarren. Damals
war das Pfeiferauchen nahezu völlig duch das Tabakschnupfen verdrängt, um die
Zigarre groß in Mode kommen zu lassen. In England wurde im Jahre 1821 ein
Parlamentsgesetz zur Regelung der Produktiosbedingungen notwendig. Durch die
Einführung einer neuen Einfuhrsteuer galten Zigarren aus dem Ausland als
Luxusartikel. Schon bald wurde die Nachfrage nach guten Zigarren immer größer, was
zur Folge hatte, daß die spanischen Zigarren durch jene aus dem spanischen
Kolonialstaat Cuba verdrängt wurden.

Schon 1612 rauchte man den in
Virginia (Amerika) angebauten Tabak,
allerdings nur in Pfeifen. Erst als der
Offizier Israel Putnam der britischen
Armee in Cuba  im Jahre 1762 die
cubanische Zigarre und einen Tabak-
vorrat mit nach Hause nach Connecticut
brachte, erhielt Nordamerika seine erste
Kostprobe der Zigarre. Putnams Beitrag
führte zur Anpflanzung des Tabaks, der
zu einem der besten Zigarrendeckblätter
werden sollte -Connecticut Shade.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich eine ansehnliche Zigarrenindustrie, in der
amerikanische und cubanische Tabaksorten verarbeitet wurden, entwickelt. Speziell in
Key West und Tampa in Florida, dem nächstgelegenen Einreisepunkt für Cubaner,
gedieh in den letzten 25 Jahren des 19. Jahrhunderts die größte Zigarrenproduktion
Amerikas.


Im 20. Jahrhundert erlitt die Zigarre einige Rückschläge, wie z.B. im Ersten Weltkrieg,
als die amerikanische Zigarrenindustrie durch die wachsende Beliebtheit von
Zigaretten nahezu am Boden lag. Dies führte zur Entwicklung von Maschinen, die
preiswerte Zigarren aus cubanischem Tabak fertigten, was zur Folge hatte, daß sich
auch während der Weltwirtschaftskrise es sich jedermann leisten konnte, Zigarren zu
rauchen.

Wie jeder weiß, führte der Zweite Weltkrieg und
dessen Folgen zu noch heute spürbaren
Veränderungen. Die Zigarrenpreise in den USA
stiegen nach dem Krieg, worauf die Industrie mit
völlig maschinell hergestellten Zigarren reagierte.
Durch den Verlust von Marktanteilen stellte nun auch
Cuba seine Produktion auf maschinell hergestellte
Zigarren um, die sich in den USA an wachsender
Beliebtheit erfreuten. Erst die politische Wende,
nämlich als Fidel Castro an die Macht kam,
beendete eine jahrhundertealte Tabakbeziehung
zwischen USA und dem kommunistischen Inselstaat.

Die Verstaatlichung der Zigarrenindustrie Cubas und
das 1962 von Präsident John F. Kennedy
eingeführte Embargo machten Amerika zu einem
„zigarrenleeren" Land, was bewirkte, daß Exil-
Cubaner und Einheimische in Ländern wie Jamaika,
Dominikanische Republik, Nicaragua und Honduras ihre Zigarren nach USA expor-tierten. Ebenso Staaten wir Brasilien, Mexico und Ecuador brachten Zigarren bester Qualität hervor, Sumatra und Java in Asien sowie das afrikanische Kamerun liefern feinste Tabake in alle Welt.

Anfang der neunziger Jahre erlitt die cubanische Industrie einen weiteren Rückschlag,
als durch den Zusammenbruch der Sowjetunion das Inlandsbruttosozialprodukt Cubas
auf die Hälfte zusammenbrach. Während dieser Zeit erwies sich die Zigarrenindustrie
am stärksten, da ja der notwendige Tabak auf der Insel wuchs. Extreme Regenfälle im
Jahre 1991 und 1992 sowie ein großer Sturm 1993 vernichteten nahezu die cubanische
Tabakernte. Cuba ist jedoch Kummer gewohnt. Seit 1995 hat nun „Habanos S.A:" die
staatliche „Cubatabaco" in Sachen Marketing und Export ersetzt.


Die Zigarre erster Qualität wird von Kennern immer mit Cuba verbunden. Es gibt wohl
kaum prägnantere Symbole für Macht und Großkapitalismus als die Zigarre. Eine dicke
Havana zwischen den Lippen war schon immer, und wird es auch weiterhin sein,
das Zeichen für Macht, Privilegien, Ansehen und vor allem für Geld.


In den letzten Jahren erfährt die Zigarre einen erneuten Aufschwung. In Amerika sowie
mittlerweile auch in Europa erfreuen sich Zigarren größter Beliebtheit.


Die Geschichte der Zigarre blickt auf eine jahrhundertelange Entwicklung zurück;
sie wird sich auch heute immer noch weiterentwickeln.