Die Zigarrenherstellung

Ein weit verbreitetes Mythos ist, daß angeblich die besten Zigarren
zwischen den Oberschenkeln einer Jungfrau gerollt werden. Eher
entspricht es wohl der Realität, daß es unzähligen, nicht ermüdenden
Händen bedarf, um eine edle Zigarre zu fertigen. Jede Phase des
Fertigungsprozesses einer Zigarre erfordert höchste Präzision und
Gewissenhaftigkeit, ganz besonders die Tätigkeit des Zigarren-
machers (torcedor). Ein torcedor rollt bis zu einhundertzwanzig
Zigarren, die makellos, gleichmäßig und perfekt aufeinander
abgestimmt sind und sich wie ein Ei dem anderen gleichen.

Das Umblatt und die Einlage:
Die Einlage ist das Kernstück der Zigarre, die gewöhnlich aus langen
Tabakblättern, so lang wie die Zigarre selbst, besteht. Kleinge-
schnittene Tabakblätter werden nur für maschinell hergestellte
Zigarren verwendet. Für eine gute Einlage werden in der Regel drei
Tabake miteinander gemischt, um den speziellen Geschmack für jede
einzelne Zigarrenmarke zu erreichen. Die Mischabteilung (la Barajita)
wird vom Mischmeister überwacht, wobei der Mischprozeß gemäß
sorgsam gehüteten Geheimrezepten unter strengen Sicherheits-
vorkehrungen durchgeführt wird. Dem torcedor wird immer eine
Mischung übergeben, die für die Herstellung von fünfzig Zigarren
ausreicht.

Die Einlage wird in die zwei Hälften des Umblattes eingerollt, dadurch entsteht die so-
genannte „Puppe". Es ist großes Können erforderlich,um die Puppe so gleichmäßig
zu machen, damit die Zigarre später richtig zieht. Anschließend werden die fertigen
Puppen in einer Holzform in eine Wickelpresse gegeben, die gerade so viel Druck
ausübt, um die Puppen in Form zu halten. Während dieser ca.45-minütigen Preßdauer
werden die Puppen regelmäßig gedreht, um eine Faltenbildung zu ver meiden.

Das Deckblatt:
Nach dem Pressen der Puppe erfolgt nun das Anlegen des
Deckblattes. Die Werkzeuge des torcedor’s (Wickler) sind
lediglich ein Holztisch, eine scharfe Klinge (chaveta),
eine Guillotine und ein Töpfchen mit natürlichem, ge-
schmacksneutralen pflanzlichen Klebstoff. Der torcedor
schneidet das Deckblatt mittels der chaveta auf die erfo-
rderliche Größe zu und umgibt die Puppe damit. Nachdem
das Ende des Deckblattes mitetwas Klebstoff befestigt
wurde, wird die Zigarre mit der flachen Seite des Messers
unter leichtem Druck gerollt, um ihre Gleichmäßigkeit
sicherzustellen. Aus den Deckblattresten schneidet der
torcedor ein etwa pfenniggroßes Stück für die Kappe ab
und befestigt diese mit einem Tupfen des Klebstoffes am
Kopf der Zigarre. Abschließend wird die Zigarre mit der
Guillotine auf die erforderliche Länge abgeschnitten
(Fuß). Jeder, der ein Meisterwickler werden möchte, muß anfangs eine zweijährige
Ausbildung absolvieren. Nach weiteren sechs Jahren sollte der Wickler die Erfahrungen
für die vielzähligen Formate gesammelt haben. Aufgrund der streng gesetzten Maß-
stäbe vergehen nicht selten bis zu zwanzig Jahre, um zu den Meisterwicklern gehören
zu dürfen.


Die Qualitätskontrolle:
Bei der Qualitätskontrolle werden regelmäßig
Muster der Arbeit eines jeden torcedors auf Länge,
Umfang und Form geprüft. Sollten manche Zigarren
nicht innerhalb der Toleranzen liegen, werden sie
von den Prüfern aussortiert. Da der torcedor nach
Stückzahlen bezahlt wird, ist dies eine äußerst
ernste Angelegenheit.

Die Präsentation und das Finish:
Die fertigen Zigarren werden nun für mindestens
drei Wochen, aber auch bis zu mehreren Monaten
im Klimaraum (escaparate) zwischengelagert, wo
sie unter idealen Bedingungen, das heißt bei einer
Temperatur zwischen 16 und 18°C einer relativen Luftfeuchtigkeit von 65 bis 70%, die überschüssige Feuchtigkeit verlieren werden.

Wenn auch diese Phase beendet ist, wird eine nahezu perfekte
Präsentation der edlen Stücke angestrebt. Die Farbsortierer
(escogedor) sortieren die Havanas in sage und schreibe 65 ver-
schiedene Farbschattierungen aus. Ein zweiter Sortierer packt die
Zigarren in eine vorläufige Kiste ein. Dabei wird jeweils die schönste
Seite jeder Zigarre ausgewählt, nämlich die Seite, die sich beim
Öffnen der Kiste dem erwartungsvollen Raucher präsentiert.

Die Beringerin (anilladora) nimmt diese Zigarren aus den Kisten, versieht sie mit der
Bauchbinde und legt sie wieder akkurat auf den vorgeschriebenen Platz in die Kiste.

Nach Abschluß des Beringens kommen die Zigarrenkisten zurück, um mit dem
cubanischen Garantiesiegel versehen zu werden.


Das Garantiesiegel:
Eine erlesene Zigarre, ein Produkt von herausragender Qualität, eben eine echte
Havana, hat mittlerweile auch die Aufmerksamkeit vieler Nachahmer (oder Fälscher)
erregt. Zur Zeit sind leider sehr viele Fälschungen auf dem Markt zu finden. Teilweise
muß man schon ein wahrer Experte sein, um sie von den „Echten" unterscheiden zu
können. Um den Fälschern dieser Kunstwerke Einhalt zu gewähren, gibt es mittlerweile
sechs Erkennungsmerkmale, die dem Raucher belegen sollen, daß er wirklich eine
„echte Havana" erstanden hat.
  1. Das Garantiesiegel der cubanischen Regierung, basierend auf dem Gesetz vom
    16. Juli 1912, war das erste Kennzeichen, das eine echte cubanische Zigarrenkiste
    zierte.
  2. Die drei Echtheitsstempel, wurden erst zu späterer Zeit in den Unterboden der
    Kiste eingebrannt, nämlich: „Habanos S.A." bezeichnet die cubanische
    Gesellschaft, die die Zigarren exportiert. Der bis 1960 verwendete Stempel „Made
    in Cuba" wurde durch „Hecho en Cuba" ersetzt. Das dritte Zeichen, die Aufschrift
    „Totalmente a mano" wird seit 1989 angebracht.
  3. Der Habanos-Aufkleber (Havanas) schmückt seit 1994 eine Ecke jeder
    cubanischen Zigarrenkiste.

Sollte eines dieser Echtheitsmerkmale fehlen, können Sie sicher sein, daß sich keine
echten, von Hand gefertigten Zigarren in der Kiste befinden.