Zigarren Herstellung

Blogbeitrag vom 06.11.2018

Die Zigarren Herstellung 

Ein weit verbreitetes Mythos ist, dass angeblich die besten Zigarren zwischen den Oberschenkeln einer Jungfrau gerollt werden. Eher entspricht es wohl der Realität, dass es unzähligen, nicht ermüdenden Händen bedarf, um eine edle Zigarre zu fertigen. Jede Phase des Fertigungsprozesses einer Zigarre erfordert höchste Präzision und Gewissenhaftigkeit, ganz besonders die Tätigkeit des Zigarrenmachers (torcedor). Ein torcedor rollt bis zu einhundertzwanzig Zigarren, die makellos, gleichmäßig und perfekt aufeinander abgestimmt sind und sich wie ein Ei dem anderen gleichen. 

Das Umblatt und die Einlag Die Einlage ist das Kernstück der Zigarre, die gewöhnlich aus langen Tabakblättern, so lang wie die Zigarre selbst, besteht. Kleingeschnittene Tabakblätter werden nur für maschinell hergestellte Zigarren verwendet. Für eine gute Einlage werden in der Regel drei Tabake miteinander gemischt, um den speziellen Geschmack für jede einzelne Zigarrenmarke zu erreichen. Die Mischabteilung (la Barajita) wird vom Mischmeister überwacht, wobei der Mischprozeß gemäß sorgsam gehüteten Geheimrezepten unter strengen Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt wird. Dem torcedor wird immer eine Mischung übergeben, die für die Herstellung von fünfzig Zigarren ausreicht.

Die Einlage wird in die zwei Hälften des Umblattes eingerollt, dadurch entsteht die sogenannte „Puppe”. Es ist großes Können erforderlich,um die Puppe so gleichmäßig zu machen, damit die Zigarre später richtig zieht. Anschließend werden die fertigen Puppen in einer Holzform in eine Wickelpresse gegeben, die gerade so viel Druck ausübt, um die Puppen in Form zu halten. Während dieser ca.45-minütigen Pressdauer werden die Puppen regelmäßig gedreht, um eine Faltenbildung zu vermeiden.

Das Deckblatt:
Nach dem Pressen der Puppe erfolgt nun das Anlegen des Deckblattes. Die Werkzeuge des torcedor’s (Wickler) sind lediglich ein Holztisch, eine scharfe Klinge (chaveta), eine Guillotine und ein Töpfchen mit natürlichem, geschmacksneutralen pflanzlichen Klebstoff. Der torcedor schneidet das Deckblatt mittels der chaveta auf die erforderliche Größe zu und umgibt die Puppe damit. Nachdem das Ende des Deckblattes mit etwas Klebstoff befestigt wurde, wird die Zigarre mit der flachen Seite des Messers unter leichtem Druck gerollt, um ihre Gleichmäßigkeit sicherzustellen. Aus den Deckblattresten schneidet der torcedor ein etwa pfenniggroßes Stück für die Kappe ab und befestigt diese mit einem Tupfen des Klebstoffes am Kopf der Zigarre. Abschließend wird die Zigarre mit der Guillotine auf die erforderliche Länge abgeschnitten (Fuß). Jeder, der ein Meisterwickler werden möchte, muss anfangs eine zweijährige Ausbildung absolvieren. Nach weiteren sechs Jahren sollte der Wickler die Erfahrungen für die vielzähligen Formate gesammelt haben. Aufgrund der streng gesetzten Maßstäbe vergehen nicht selten bis zu zwanzig Jahre, um zu den Meisterwicklern gehören zu dürfen. 

Die Qualitätskontrolle:
Bei der Qualitätskontrolle werden regelmäßig Muster der Arbeit eines jeden torcedors auf Länge, Umfang und Form geprüft. Sollten manche Zigarren nicht innerhalb der Toleranzen liegen, werden sie von den Prüfern aussortiert. Da der torcedor nach Stückzahlen bezahlt wird, ist dies eine äußerst  ernste Angelegenheit.

Die Präsentation und das Finish:
Die fertigen Zigarren werden nun für mindestens drei Wochen, aber auch bis zu mehreren Monaten im Klimaraum (escaparate) zwischengelagert, wo sie unter idealen Bedingungen, das heißt bei einer  Temperatur zwischen 16 und 18°C einer relativen Luftfeuchtigkeit von 65 bis 70%, die überschüssige Feuchtigkeit verlieren werden.

Wenn auch diese Phase beendet ist, wird eine nahezu perfekte Präsentation der edlen Stücke angestrebt. Die Farbsortierer (escogedor) sortieren die Havanas in sage und schreibe 65 verschiedene Farbschattierungen aus. Ein zweiter Sortierer packt die Zigarren in eine vorläufige Kiste ein. Dabei wird jeweils die schönste Seite jeder Zigarre ausgewählt, nämlich die Seite, die sich beim Öffnen der Kiste dem erwartungsvollen Raucher präsentiert.

Die Beringerin (anilladora) nimmt diese Zigarren aus den Kisten, versieht sie mit der Bauchbinde und legt sie wieder akkurat auf den vorgeschriebenen Platz in die Kiste.

Nach Abschluss des Beringens kommen die Zigarrenkisten zurück, um mit dem cubanischen Garantiesiegel versehen zu werden.

Das Garantiesiegel:
Eine erlesene Zigarre, ein Produkt von herausragender Qualität, eben eine echte Havana, hat mittlerweile auch die Aufmerksamkeit vieler Nachahmer (oder Fälscher) erregt. Zur Zeit sind leider sehr viele Fälschungen auf dem Markt zu finden. Teilweise muss man schon ein wahrer Experte sein, um sie von den „Echten” unterscheiden zu können. Um den Fälschern dieser Kunstwerke Einhalt zu gewähren, gibt es mittlerweile  sechs Erkennungsmerkmale, die dem Raucher belegen sollen, dass er wirklich eine „echte Havana” erstanden hat.

  1. Das Garantiesiegel der cubanischen Regierung, basierend auf dem Gesetz vom
    Juli 1912, war das erste Kennzeichen, das eine echte cubanische Zigarrenkiste 
    zierte.
  2. Die drei Echtheitsstempel, wurden erst zu späterer Zeit in den Unterboden der
    Kiste eingebrannt, nämlich: „Habanos S.A.” bezeichnet die cubanische
    Gesellschaft, die die Zigarren exportiert. Der bis 1960 verwendete Stempel „Made
    in Cuba” wurde durch „Hecho en Cuba” ersetzt. Das dritte Zeichen, die Aufschrift
    „Totalmente a mano” wird seit 1989 angebracht.
  3. Der Habanos-Aufkleber (Havanas) schmückt seit 1994 eine Ecke jeder
    cubanischen Zigarrenkiste.

Sollte eines dieser Echtheitsmerkmale fehlen, können Sie sicher sein, dass sich keine
echten, von Hand gefertigten Zigarren in der Kiste befinden.

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